Meisterkurse und Konzerte

5. – 15. Juli 2018

Benedict Mason

In jungen Jahren studierte der englische Komponist Benedict Mason Film – eine Erfahrung, die seine spätere Arbeit entscheidend prägen sollte. Vor allem in Werken wie der Hinterstoisser Traverse wird die visuelle Ausrichtung seines kompositorischen Ansatzes deutlich. Von Anfang an galt Masons Leidenschaft jedoch weniger der Illustration als vielmehr der Investigation.

In den Neunziger Jahren wurden Masons Kompositionen immer vielschichtiger. Ein extremes Beispiel hierfür ist Animals and the Origins of Dance, eine Reihe von zwölf neunzigsekündigen polymetrischen Tänzen.

In einer anschließenden Phase der Neuorientierung, die jedoch nicht als Abwertung seiner früheren Stücke zu verstehen ist, konzentrierte sich Mason verstärkt auf den Akt des Hörens, auf den Zauber und die Poesie, die dem Klang an sich innewohnen. Dabei ging es ihm vor allem um die Begriffspaare “Distanz und Nähe”, “Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit” der Klangproduktion, konkret um die räumlichen und akustischen Bedingungen von Musikaufführungen in Konzertsälen, wobei sowohl die Musiker als auch das Gebäude Teilnehmer einer “Klanginstallation” werden sollten. In diesem Zusammenhang schuf Mason für große Ensembles, Orchester und ihre Häuser die Werkgruppe Music for Concert Halls, eine Reihe von Kompositionen, die nicht an spezifische Orte gebunden sind und überall aufgeführt werden können.

Masons jüngere Werke tragen die Handschrift eines bildenden Künstlers (und Filmemachers, der er ja tatsächlich ist), und zwar nicht nur was die Präsentation der Partituren angeht (hier ist insbesondere die exquisite Notation von felt | ebb | thus | brink | here | array | telling zu erwähnen), sondern auch in Bezug auf die bisweilen spektatuläre Inszenierung.

Mason komponiert nicht nur, er baut auch die Instrumente, die für seine Klangskulpturen vonnöten sind. Dabei gibt er sich nicht etwa mit der Rolle des Geigenbauers zufrieden. Seine “Klangerzeuger” sind vielmehr das Produkt intensiver Überlegungen und Recherchen und zeugen vom Einfallsreichtum ihres Erfinders. Das, was bereits existiert, wird aufgearbeitet; was verloren oder nicht wiederherstellbar ist, nachgebaut; Träume werden realisiert. THE NEURONS, THE TONGUE, THE COCHLEA…. THE BREATH, THE RESONANCE, ist nur ein Beispiel hierfür, während all diese Elemente in Werken wie Presence and Penumbrae, Fire Organ, Photosonic Disks and Six Percussionists oder Double Concerto for Tuba and Bass zu einer Synthese zusammenfinden.

Zwei seiner neuesten Werke kehren zurück zu großem Orchester: Orchestral Installation for Moderna Museet, Stockholm (Swedish Radio Symphony Orchestra) und Ensemble (for three ensembles) for Ensemble Intercontemporain, Ensemble Modern and Klangforum Wien (Donaueschingen 2008).

Den besten Zugang zu Masons aktuellem Ansatz bietet vielleicht outside sight unseen and opened, ein Band mit 130 je eine Seite füllenden Texten und zarten, Kleeartigen Grafiken, die sich indirekt auf die Texte beziehen, sie jedoch nicht ausdrücklich illustrieren.