Meisterkurse und Konzerte

16. - 26. Juli 2020

Presse

Im Doppelpack
In zwei Abschlusskonzerten der Sommerakademie präsentierten sich 27 Teilnehmer

„Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden der Welt sind die, aus denen man trinkt.“ Man möchte Herrn Ringelnatz nur ungern widersprechen, aber die Musik ist auch so ein Brennglas für Freude. Davon konnten sich die Gäste der zwei Abschlusskonzerte der Internationalen Sommerakademie überzeugen, die mit diesem Doppelpack zu Ende ging. Ohne Zwischenfälle, zur Zufriedenheit, aber ein bisschen auch zur Erleichterung aller.

Und wieder bleibt festzustellen: Eine Zugehörigkeit muss man erleben – nicht definieren. Zehn Tage lang hatten 51 junge Musikerinnen und Musiker mit den Dozenten gearbeitet, wobei deren Autorität vor allem als Impulskraft und Ermunterung verstanden wird. Am Ende hatte die Perfektion der Organisation, auch der im Hintergrund, Früchte getragen. Der Abschlussdank ging an die vielen Helfer, aber genauso an die Sponsoren, „die uns nicht im Stich gelassen haben“, wie Dr. Theodor Elster, der Vorsitzende des Vereins Sommerakademie, nicht vergaß zu erwähnen. So ist die elfte Ausgabe der Meisterklassen Geschichte. Eine zwölfte steht übers Jahr schon im Plan.

Welche Worte findet man hier aber zum Abschluss für fast fünf Stunden Konzert? Es ist unmöglich, alle Teilnehmer namentlich zu nennen! Deshalb bleiben die folgenden Zeilen unvollständig und vielleicht auch ungerecht: Mein Favorit war das Kontrabasskonzert Nr. 2 h-moll von Giovanni Bottesini. Der Komponist wurde 1821 in Cremona geboren und war derjenige, unter dessen Leitung die Oper „Aida“ in Kairo uraufgeführt wurde. Seine Vorliebe für den Kontrabass goss er in vier Konzerte, die Nr. 2 ist wohl das beliebteste. Und das schwierigste. Was der Italiener den Solisten hiermit zumutet, ist atemberaubend. Die Partien führen über die gesamte Griffbreite – der Kontrabass spielt quasi Geige, schwierige Flageolett-Töne kommen hinzu.

In die drei Sätze des Bottesini-Konzerts teilten sich Dennis Pientak, Antonia Weiß und Lukas Rudolph; sie ernteten Jubelstürme! Was sie boten waren Spiel- und Spiegelbilder einer Leidenschaft, einfach hinreißend.

Den Konzertmarathon eröffnete Annie Zhang mit dem ersten Satz aus dem Violoncellokonzert C-Dur von Joseph Haydn. Sie spielte mit Verve und Gefühl für die ariose Schönheit der Noten. Wie neu gehört erklangen beispielsweise auch Satz 1 und 3 aus Mozarts Violinkonzert G-Dur KV 216. Die Solisten waren Cécile Vonderwahl, die schon in Dvořaks Klavierquartett am Kammermusikabend aufhorchen ließ, und Sara Göbel. Einen überirdischen Sound mit der imaginären Kraft des Erfülltseins bot auch das zweite Kontrabasskonzert des Abends von Johann Baptist Vanhal (D-Dur). Chinatsu Mine, Rune Christian Schiölde und Xenia Bömcke überzeugten restlos.

Geradlinig und mit guter Laune spielte Uljana Katushonak den 1. Satz aus Mozarts Violinkonzert G-Dur KV 216, und der Haydn (Violoncellokonzert D-Dur) war bei Johannes Gray frisch einem Jungbrunnen entstiegen.

Das waren jetzt hier alles nur Streicher – wo bleibt das Klavier? Die Sommerakademie ist streicherlastig geworden, so jedenfalls der Eindruck. Wahrscheinlich wird es Hinrich Alpers anhand von Zahlen widerlegen können. Aber: Am Abschlussabend interpretierte Anastasiya Magamedova Fréderic Chopins Nocturne Es-Dur op. 55,2 auf wunderbar sinnliche wie sinnstiftende Weise. Und Knut Hanßens Auftritt mit dem 1. Satz aus der letzten Beethoven-Sonaten Nr. 32 c-moll op. 111 war ein musikalischer Orkan.

Als Summe lässt sich feststellen, dass alle Interpreten in ihrem Spiel nie die Exzentrik suchen, sondern sich auf dem Grat zwischen Ausdeutung und Eindeutigkeit bewegten. Einige souveräner als andere. Begleitet wurden die Solisten vom Kammerorchester Hannover, Wojciech Garbowski war als Gast der Konzertmeister. Der Klangkörper bewies vor allem Durchhaltevermögen und war verlässlicher Begleiter, manchmal allerdings ein wenig uninspiriert. Aber vielleicht ging das auf  Kosten des großen Arbeitspensums.

Die 11th Academy of music ist Geschichte. Sie war ein Erfolg trotz dieses widrigen Jahres insgesamt. Vielleicht fasst es am Ende Mark Twain zusammen: „Donner ist groß und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz.“ Alle Musikerinnen und Musiker haben mehr als einen Funken in Publikum gesprüht, und das war dankbar genug, es mit viel Applaus zu honorieren.

Barbara Kaiser – 27. Juli 2020

 

Die Kontrabässe begrüßen das ankommende Publikum

Chong Wang spielt Debussy


Dennis Pientak, Antonia Weiß und Lukas Rudolph als umjubelte Solisten


Herzlicher Dank und ein guter Tropfen für Nabil Shehata


Sara Göbel und Cécile Vonderwahl teilten sich Mozarts Violinkonzert in G-Dur

Xenia Bömcke spielt Vanhal

 

Von betörendem Reiz
Zweiter Kammermusikabend der Internationalen Sommerakademie

Bedenkt man, dass das Oldenstädter Langhaus derzeit nur zur Hälfte gefüllt sein darf mit Zuhörern, waren die Intensität und die Lautstärke des Beifalls außerordentlich und hocherfreulich. Der zweite Kammermusikabend der Sommerakademie sah Dozenten und Studenten in schönem Miteinander, wobei der Cellist Mark Schumann ein Mammutprogramm absolvierte, gefolgt von Hinrich Alpers, der bei zwei Halbstundenstücken am Flügel saß.

Die Eröffnung kam Beethoven zu – schließlich ist immer noch sein Jubeljahr zum 250.! Sawako Kosuge strich souverän die Violine an der Seite von bereits erwähntem Schumann am Violoncello, am Flügel saß eine sehr aufgeräumte Séverine Kim. Dem Klaviertrio D-Dur op. 70,1 gab Carl Czerny den Beinamen „Geistertrio“ wegen der düsteren Atmosphäre im Largo des zweiten Satzes. Es wären auch die passenden Noten zum Auftritt von Hamlets ermordetem Vater, an solche Szenen denkt man wohl bei diesem Namen.

Die drei Instrumentalisten begannen das Allegro con brio und dessen stürmische aufsteigende Sequenz mit Charme, gaben den folgenden namensgebenden Teil mit inniger Anmut und  Lust am Leisen. Das Tremolo im Klavier imaginierte die Stimmung. Das Presto des dritten Satzes fegte alle düsteren Gedanken hinfort, die Stimmung wich wieder nach Dur, ist gelöst, leicht, prachtvoll und glänzend. Tempo und Durchsichtigkeit bestimmten ihn.

Das folgende Klavierquartett Es-Dur op. 87 von Antonin Dvořak hob die Romantik auf die Notenpulte. Die 22-jährige Cécile Vonderwahl, wunderbare Violinistin  aus der Schweiz, wurde für die vier Sätze eingerahmt von den Dozenten Simone Jandl (Viola), Mark Schumann (Violoncello) und Hinrich Alpers (Klavier). Das Quartett entfesselte und bändigte die üppigen Fluten der Musik eindringlich und zum Wohlgefallen. Sein Spiel blieb in jeder Nuance hochkonditioniert und von betörendem Reiz.

Welch Feuer im Allegro con fuoco! Ein Largo – angeblich das schönste Cello-Motiv der Romantik – mit ungeheuer expressiven Ausbrüchen. Das Allegro grazioso brachte ein wenig Wiener Schmäh in die Ohren, so, als machte sich Dvořak lustig über diese Österreicher. Sein Verhältnis zu Österreich-Ungarn war nicht das beste, was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte. Die Donaumonarchie benahm sich herablassend gegen alles jenseits ihrer Grenze. Der Komponist beschloss sein Werk dann auch mit einem temperamentvollen böhmischen (!) Volkstanz. Der Applaus für diesen Auftritt brauste erwartet langanhaltend.

Nach der Pause erhielten ein Schüler, der inzwischen auch Dozent ist, mit seinem ehemaligen Lehrer einen Auftritt: Stefan Hempel und Stephan Picard spielten aus der Sonate für zwei Violinen op. 56 von Sergej Prokofjew das Andante cantabile und das Allegro, das bei ihnen ein Presto war. Wild, nahezu aggressiv, aber voller Emotionen. Wobei das Ungestüme nie auf Kosten der Klarheit ging. Sehr dezidiert und mit Nachdruck, nirgendwo fehlte es an Kraft. Beeindruckend.

Für den Schluss heben sich die Konzerte der Sommerakademie immer das Besondere auf. An diesem Abend in Gestalt des Klavierquintetts c-moll von Ralph Vaughan Williams aus dem Jahr 1903. Mette Jensen aus Lübeck war die Violinistin, an der Viola Wojciech Garbowski, der arme Mark Schumann schon wieder am Violoncello und Hinrich Alpers am Flügel. In den Kontrabasspart teilten sich die Studenten von Nabil Shehata: Lukas Rudolph (Saarbrücken), Lluis Böhme (Hannover) und Dennis Pientak (Maastricht).

Die KünstlerInnen hatten die Dimension dieser Hochromantikballung immer im Griff. Sie produzierten eine frappierende Klangorgie, die durch Energie mitriss. Die drei Sätze umarmten eine ganze Welt, mal laut-schwelgend, mal im Piano. Um danach wieder Spannung aufzubauen und weiter zu schwelgen. Es war ein voluminöser, blutvoller Ton, der da durch das Langhaus strömte und das Publikum erfasste. – Der, die technische Perfektion und das musikantisch lustvolle Spiel machten diesen Konzertabend zu einem Erlebnis eines ausgewogenen, dynamisierten Klangs. Zum wiederholten Male.

Am Sonntag, 26. Juli 2020, kommt die Akademie diese besonderen Sommers auf der Zielgerade an, um 16 und 18 Uhr finden zwei Abschlusskonzerte statt.

Barbara Kaiser – 24. Juli 2020


Schlußapplaus nach Ralph Vaughan WIlliams’ Klavierquintett mit Kontrabaß


Cecile Vonderwahl führt Dvoraks Klavierquartett von der Geige an


Lluis Böhme im zweiten Satz Ralph Vaughan Williams


Sawako Kosuge und Séverine Kim in Beethovens “Geistertrio”

 

Klavierquintett ohne Klavier
Unterricht für Amateure – auch das ist die Sommerakademie

Die Cellistin Sabine Frick hat drei Herren an ihrer Seite und auf dem Notenpult Robert Schumanns beliebtestes und häufig gespieltes Klavierquintett Es-Dur op. 44. Dass das Klavier fehlt und es eigentlich nur ein Quartett ist, geht so nur bei der Sommerakademie. Die Pianistin war plötzlich verhindert – sie darf sich ärgern, denn es war eine wunderbare Musizierstunde. Für Laien. Für Amateure. Für Dilettanten. Und dieses letzte Wort sei jetzt hier nicht so negativ besetzt wie im Alltag, sondern sage aus, was es im Lateinischen beschreibt: delectari = sich erfreuen, sich ergötzen.

Matthias Schorr spielt die Geige und kommt extra aus Hannover/Burgdorf, um hier dabei  sein zu dürfen, was er seiner langjährigen Bekanntschaft mit Dr. Theodor Elster, Landrat i.R. und Bratschist, verdankt. Rudolf Hachmann wohnt in Ebstorf und streicht ebenfalls die Geige. Er und Elster spielen im Kammerorchester Uelzen. Das zweite Mal traf sich anlässlich der Internationalen Sommerakademie, die früher auch Juniorakademien mit Schülern der Musikschule ausrichtete, der nach Jahren Gegenpol, denn die Freizeitmusiker, die sich um Sabine Frick versammelten, sind alle Senioren. Dass hier jedoch nichts zittert und klappert bewiesen sie dem stillen Zuhörer nachdrücklich.

Schumanns Noten ließen schon immer einer programmatischen Idee nachspüren. So fand Tschaikowski, der Trauermarsch in Satz zwei sei „eine ganz Tragödie“. Andere sahen im Beginn des Werkes, im Allegro, Florestan und Eusebius, diese Doppelnatur zwischen ungestüm und zartbesaitet, die Schumanns Lieblingsdichter Jean Paul folge. Aber so viel Theorie war an diesem Vormittag nicht.

Die Akteure hatten sich das ganze Stück, immerhin viersätzig, vorgenommen. Am Anfang klang es „gerade so, als wenn wir noch nicht in Es-Dur angekommen sind“, sagte Sabine Frick und lässt den Akkord anstimmen. Aber ganz schnell werden die Herren sicherer, kommen die Akzente selbstbewusster.

Man nähme ja so ungeheuer viele Anregungen  mit aus so einer Übungsstunde, bekannte Matthias Schorr, und die anderen nicken eifrig zustimmend. Es ging entspannt zu. Wenn es Sabine Frick, die ausgewiesene Musikerin und exzellente Cellospielerin nervte, merkte man davon nichts. Allzu viel Grund gab es aber auch nicht. Sie war eine geduldige Pädagogin, als sei man unter seinesgleichen ist man per du.

Bei Satz zwei, dem Trauermarsch, gewannen die Geigen und die Bratsche Höchstform. „Super!“, freute sich Sabine Frick, „das nenn ich mal eine richtige Stimmung.“ Und genauso war es auch: Ein Quartett imaginierte Sinfonisches, es schreitet und rauscht und greift – ans Herz. Die drei Männer freuten sich, dass nicht nur jeder Ton richtig sitzt, sondern die Musik auch Gefühl transportierte. So soll es schließlich sein. Und hier wuchs dem Wort „Dilettant“ auch die italienische  Bedeutung von „dilettare“ zu;  was heißt „jemanden begeistern“. Mich als stillen Zuhörer hatte dieses Quartett, das eigentlich ein Quintett sein sollte, wirklich begeistert und angerührt!

Barbara Kaiser – 22. Juli 2020


Dr. Theodor Elster an der Bratsche


Sabine Frick coacht das Ensemble


Matthias Schorr, 1. Geige


Rudolf Hachmann, 2. Geige


Gemeinsam wird Schumanns Klavierquintett einstudiert

 

Mit Schwung und Delikatesse
Beeindruckendes erstes Kammermusikkonzert der Internationalen Sommerakademie

Was für ein Furor! Musik in imponierender Einheit und inspiriertem Tempo dargeboten. Noten einer Komponistin, die zu ihrer Zeit die erste Klavierprofessorin am Pariser Konservatorium war: Louise Farrenc, Zeitgenossin von Beethoven, Schumann, Liszt, Mendelssohn. „Wer Chopin mag, wird Farrenc lieben“, titelte der MDR im Frühjahr ein Feature, und dankenswerter Weise hat die Universität Oldenburg mit Geldern der DFG die Partituren dieser Frau dem Vergessen entrissen, indem sie eine Werkausgabe edierte. Ihr Klavierquintett Nr. 2 E-Dur op. 31, zupackende, energische Töne einer selbstbewussten Frau aus dem Jahr 1840, war ein sensationeller Abschluss des ersten Kammermusikkonzerts der Sommerakademie 2020.

Entsprechend wurde dieser auch bejubelt vom zahlenmäßig zwar kleineren, aber freudig-erwartungsvollen Publikum. „Wir dürfen endlich wieder spielen“, bekannte Hinrich Alpers, der künstlerische Leiter der Sommerakademie, als er die Zuhörer, die doch auch ein bisschen Mut aufgebracht hätten um zu kommen, begrüßte.

Der Abend schritt chronologisch voran: Trio, Quartett, Quintett; und es war ein Abend der zweiten Sätze. Im Klaviertrio G-Dur KV 564, das den Auftakt bildete, war es ein Andante, ein Thema mit Variationen, das zum Dahinschmelzen erklang. Deborrah Burri (Violine), Suyeon Yu (Violoncello) und Chong Wang (Klavier) begannen mit dem Allegro fidel und beherzt, mit kleinen Unsicherheiten der Geige, das Klavier vielleicht ein wenig kühl. Aber spätestens bei der 3. Variation des zweiten Satzes war alles im Lot und bei Variation 5, der in Moll, agierten die drei Musikerinnen hochkonzentriert und mit gestaltender Kraft. Die Intensität nahm zu und mündete im frohgemuten Satz drei, dem Allegretto.

Es folgte das Klavierquartett Es-Dur op. 16 von Ludwig van Beethoven. Der Komponist schrieb es mit 16 Jahren und bewies bereits sein Genie. Sollte man eine „Schwäche“ benennen dann die, dass alle Instrumente immer im Einsatz sind. David Moosmann und Irem Bağarski teilten sich den Violinenpart, wobei die türkische Künstlerin mit dem Cantabile des zweiten Satzes restlos zu überzeugen wusste. Ana Peréz Pousada strich die Viola, Annie Zhang das Violoncello. Am Flügel saß Hinrich Alpers. Weil das Dozentenkonzert in diesem Jahr ausgefallen war, bewährten sich die Lehrer in den Formationen mit den Studenten.

Am Reichtum des Klangs dieser Interpretation waren alle beteiligt, es wurde ein intimes, synchronisiertes Zusammenspiel. Angstfrei, kompromisslos und sensibel, nicht nur eine Wohlfühlvariante. Die Streicher zwischen brachial und zärtlich, das Klavier souverän. Eine dramatische, atmosphärische und präzise Darbietung, die an Leidenschaft nicht sparte.

Und dann das oben erwähnte Klavierquintett von Louise Farrenc! Ein Allegro grazioso, das verzückt tänzeln konnte genauso wie Sprünge voller Kraft vollführen. Das Grave von Satz zwei hingebungsvoll. Stefan Hempel (Dozent -Violine), Yongbeom Kim (Viola), Johannes Gray (Violoncello), Chinatsu Mine und Hans Greve (alternierend am Kontrabass) und Anastasia Magamedova (Klavier) boten ein transparentes Parlando in inspiriertem Tempo und einer imponierenden Einheit. Der wunderbare Strich des Violoncello ließ aufhorchen, die Umsicht und Akkuratesse der Pianistin waren faszinierend.

Summe: Ein überzeugender erster Konzertabend, an dem nichts passierte, das steif, unelegant oder zu konventionell gewesen wäre. Diese Mischung aus Sinnlichkeit und Konzept, deren Spannung auch gekonnt mit Lässigkeit spielte, war reine Freude.

Am Donnerstag, 23. Juli 2020 steht um 18 Uhr das zweite Kammermusikkonzert auf dem Programm.

Barbara Kaiser – 21. Juli 2020

Anastasia Magamedova im Klavierquintett von Louise Farrenc

Hinrich Alpers, Ana Pérez Pousada und Annie Zhang in Beethovens Klavierquintett

Johannes Gray am Cello bei Farrenc

Klavierquintett Nr. 2 E-Dur von Louise Farrenc

Mit Rekordteilnehmerzahl
11. Internationale Sommerakademie trotzt dem Virus

„Ich hab` vor vier Monaten überlegt“, bekennt Hinrich Alpers in seinen Eröffnungsworten. Als der Shutdown die Welt lahm legte, war an Sommerakademie nicht zu denken. „Aber dann hab` ich gedacht, halten wir erstmal die Füße still“, sagt der künstlerische Leiter der Sommerakademie weiter. Und siehe: Der elfte Jahrgang kann stattfinden und das sogar mit der Rekordteilnehmerzahl von 51 jungen Musikerinnen und Musikern. Alpers schrieb dazu 51 Probenzeitpläne, seine Mutter Birgit Alpers-Meyer, Hauptorganisatorin des kulturellen Ereignisses, wahrscheinlich noch mehr Hygienekonzepte. Durch die Überlappung der verschiedenen Übungs- und Studierstunden sind deshalb jetzt die Meisterkurse auf dem Areal des Oldenstädter Klosters möglich und wurden mit ausschließlich guter Laune begonnen.

Da ist zum Beispiel Aaron, der 16-Jährige aus Hitzacker. Newcomer und einer der Jüngsten. Er spielt seit acht Jahren Klavier und erwartet in dieser lernintensiven Woche „einen anderen Zugang zur Musik“ und so manchen „technischen Trick“. Er sei nicht zufrieden mit dem jetzigen Stand seiner Fähigkeiten, sagt er.

„Wir haben wohl eine Marktlücke gefüllt in diesem Sommer“, hatte Hinrich Alpers mir im Telefonat vor der Akademie erklärt. So vieles sei ausgefallen in diesem Jahr des Ausnahmezustands. Und wie gierig Künstler auf Auftritte vor Publikum warten, hört man ja allerorten. Inhaltlich wird sich nichts ändern am Konzept, nur ein Kinder- und Jugendprojekt hatte ausfallen müssen. Und: Es ist die bekannte international bunte Mischung, obgleich fast alle Studentinnen und Studenten in Deutschland leben und lernen.

Bürgermeister Jürgen Markwardt beglückwünschte die Teilnehmer, dass sie sich trotz der Zeit entschlössen, an der Sommerakademie teilzunehmen. Er versprach die Möglichkeit, Freundschaften zu schließen und Kontakte zu knüpfen, die die jungen Menschen vielleicht ein Leben lang begleiteten.
Landrat Heiko Blume bewillkommnete alle als Hausherr des wunderbaren Geländes in Oldenstadt. Man habe auch Flussmuschelperlen in den Gewässern rundherum, aber die Sommerakademie sei „die musikalische Perle der Lüneburger Heide“. Eine Einschätzung, mit der der Politiker ohne Zweifel den Nagel auf den Kopf trifft.
Ein großer Dank ging wie stets an alle Sponsoren (Sparkasse, Landkreis, Stadt, Metronom, Uelzener Versicherungen), die schon über viele Jahre dafür sorgen, dass der Glanz dieser Perle über die Region hinaus strahlt und präsent bleibt.

Ab heute Vormittag geht es also los! Am Montag und Donnerstag (20./23. Juli) werden Kammermusikkonzerte stattfinden, das Abschlusskonzert am Sonntag (26. Juli) wurde gedoppelt, weil die Nachfrage so groß ist. Denn auch wir als Publikum sind gierig nach Livemusik! Mittagskonzerte gibt es ab morgen, Samstag, 18. Juli). Alle Termine stehen auf der Homepage. www.summeracademyofmusic.com

In den kommenden zehn Tagen werden sich 51 bereits qualifizierte junge Pianisten, Violinisten, Cellisten und Kontrabassisten im Historischen Zentrum Uelzen-Oldenstadt ein Stelldichein geben mit dem Ziel, mit einer reichen Erfahrung nach Hause zurückzukehren: Der Erfahrung des Lernens und Musizierens in der Gemeinschaft ohne Konkurrenzdruck, unter renommierter Anleitung. Dass wir Zuhörer genauso Mehrwert daraus erlangen werden, ist unbestrittene Tatsache!

HInrich Alpers und Dr. Theodor Elster mit Sponsoren von Hansestadt und Landkreis Uelzen, Uelzener Versicherungen und der Sparkasse Uelzen-Lüchow-Dannenberg

Ankunft der ersten Teilnehmer

Gruppenbild mit viel Luft dazwischen …

Barbara Kaiser – 17. Juli 2020