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Mit Brillanz – der Schlussakkord

14. Internationale Sommerakademie endet mit vielen Dankesworten

Dieses Allegro des Kontrabasskonzertes Nr. 2 h-moll von Giovanni Bottesini war der rechte Schlusspunkt unter die 14. Sommerakademie, die viele von diesen munteren Glanzlichtern sah. Als wollte der Solist Blai Gumi Roca (26/Spanien) das noch einmal dick unterstreichen, musizierte er ausgelassen, munter, mit einem spanischen Olé quasi. Davor hatten ihm Pin-Hua Lin (22/Taiwan) und Yuval Atlas (35/Italien) die ersten beiden Sätze zugearbeitet, sodass ohne vordergründiges Pathos, mit viel Sinn fürs Detail und die musikalische Rede das zahlreich erschienene Publikum ein würdiges Ende der zehn Tage voller Musik beklatschen konnte.

Der Komponist Bottesini stand auch symbolisch für ein Merkmal der Akademie, denn man lernt immer wieder etwas dazu  – oder kannten Sie den Mann vorher? Er lebte von 1821 bis 1889 und wurde der „Paganini des Kontrabasses“ genannt. Er legte sein Examen mit nur 18 Jahren ab und  bekam ein Preisgeld obendrauf. Später trat er mit Hector Berlioz zur Weltausstellung in Paris auf (1855) und dirigierte im Jahr 1871 die Uraufführung von Verdis „Aida“, weil er eben gerade der Leiter des Opernorchesters Kairo war. Ein umtriebiger Mann also, der sehr hörenswertes romantisches Schwelgen zu Papier brachte. Das Kammerorchester Wratislavia unter seiner Leiterin Roksana Kwasnikowska – und  nun wieder zurück zur Akademie – tat einiges für diesen opulenten Klangrausch (der eigentlich ein Sinfonieorchester verlangt).

Natürlich gab es auch wieder die obligatorischen Dankesworte an diesem letzten Abend. Die sind immer nötig. In Zeiten, wo meist nur zählt, was sich auch rechnet, dankt man vor allem den Sponsoren und Geldgebern. Der Vorsitzende des Vereins Sommerakademie, Dr. Theodor Elster, tut das immer sehr charmant und glaubwürdig, weil die Veranstaltung ohne Stadt und Landkreis Uelzen, die Kirchengemeinde, die Musikschule, die Dozenten und all die vielen, vielen ehrenamtlichen  Helfer im Hintergrund nicht stattfinden könnte. So ist es aufrichtiges Bedürfnis, Dank zu sagen für ein großes Engagement, das diese Reihe trägt. Da die Sommerakademie im Jahr 2024 vom 18. bis 28 Juli bereits das 15. Mal stattfindet, kann man wohl von einer Reihe reden.

Der aufgeräumte, fröhliche Abend hatte begonnen mit dem Violinkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 219). Die viel beschäftigte Sara Ferreira (25/Portugal), Benjamin Hofmann (22/ Dt.) und  Mok Ryeon Cho (23/Südkorea) teilten sich in die drei Sätze. Ferreira begann mit einer gewissen Kühnheit, jedoch frei von protzenden Effekten. Das Adagio konnte man nur beseelt nennen. Und Satz drei war ein achtsam und fein ausbalanciertes Miteinander mit dem Orchester.

Für die Zwischenrufe zur Neuen Musik sorgte zunächst Rebekka Siimer (25/Estland), die „Fratres für Violine und Klavier“ („Brüder“) ihres Landsmanns Arvo Pärt interpretierte. Sie schuf ein luftiges Klangbild des vertrackten harmonischen Gebildes, das ein flirrendes, nicht uninteressantes Etwas war. Manchmal düster, hin und wieder auch dissonant, jedoch mit einem versöhnlichen Ende.

Danach spielte Shangyi Han (19/China) von Bela Bartók die Etüden op. 18 Nr. 2 und von Igor Strawinsky op. 7 Nr. 4. Das Versunkene war bei ihr nicht zu dunkel, das Sprühende nicht zu ausufernd. Vor allem bei Strawinsky erinnerten die burlesk schnellen Läufe und Phrasierungen an einen Harlekin.

Danach wurde es wieder mozärtlich: Quanlin Wang (23/China) durfte für den 3. Satz aus dem Klavierkonzert c-moll KV 491 am Flügel Platz nehmen. Es war ein zauberhaftes Allegretto, prägnant synkopisch. Das hatte Rasanz und Farbe, die junge Frau gab ihren Part mit Elan, Klarheit und Spielwitz. – Nun ist es also (schon) wieder vorbei. Das Ereignis, das in jedem Sommer in diesem Landkreis ein künstlerisches Ausrufezeichen setzt. Diejenigen der 55 Teilnehmer, die sich mit Auftritten präsentierten, taten das auf luxuriösem musikalischem Niveau. Sie blieben nichts schuldig, was Musik lebendig macht. Und weil es meist vergebliches Mühen ist, die Stimmung der Auftritte in ein rezensorisches Fazit einsperren zu wollen, sei hier einfach noch einmal „Bravo!“ gesagt. Und: Auf Widdersehen bis nächstes Jahr.

Barbara Kaiser – 14. August 2023

Blumen für Mok Ryeon Cho
Konzertmeisterin Roksana Kwasnikowska begrüßt den Solisten des 2. Satzes Benjamin Hofmann
Pin-Hua Lin spielt den ersten Satz in Bottesinis Kontrabaßkonzert
Dank des Künstlerischen Leiters Hinrich Alpers an den Kontrabaßdozenten Nabil Shehata

Mit Schwung auf der Zielgeraden

Erstes Abschlusskonzert mit Orchester und Solisten im Kloster Medingen

Für die Abschlusskonzerte der Internationalen Sommerakademie haben die Dozenten Pause. Jetzt zeigt es sich, welche Früchte eingefahren werden können, welche Ergebnisse die „Mühen der Ebenen“ hervorbrachten. Weil ein Musikerleben eben nicht aus Glitzer besteht.

Davon allerdings gab es im ersten Abschlusskonzert, das traditionell im Kloster Medingen stattfindet, weil die dortigen Räume für den Unterricht genutzt werden dürfen, jede Menge. Wenn man Mozart-Fan war, brach man unter dem Glanz zusammen. Wenn man es eher mit Beethoven hält, kam man zumindest beim letzten Programmpunkt auf seine Kosten.

Das Konzert war also mozartlastig. Männerlastig auch! Von zehn Solisten waren gerade einmal drei Frauen darunter. Neu die Praxis, dass wegen des großen Interesses der Studenten*innen ausschließlich Solopartien von Konzerten gespielt wurden. So kam der Salzburger zu Ehren; mit dem ersten Satz seines Klavierkonzerts c-moll (KV 491) und den beiden Violinkonzerten G-Dur (KV 216 – vollständig) und A-Dur (KV 219 – zweiter Satz). Dazu gab es für die Kontrabassisten das D-Dur-Konzert von Johann Baptist Vanhal (1739 bis 1813). Und dann endlich Ludwig van Beethoven und sein 4. Klavierkonzert G-Dur op. 56.

Till Hoffmann (27/Dt.) trug die Bürde des Beginnens. Für c-moll und dessen Depression hat die 14. Internationale Sommerakademie allerdings absolut keinen Grund. Sie war eine freundliche Angelegenheit; da ich selber seit 14 Jahren dabei bin, lautet mein Resümee: Es fühlte sich in diesem Jahr besonders harmonisch und aufgeschlossen an. (Und dies ist keine Hofberichterstattung!) Till Hoffmann jedenfalls brachte sein Allegro als eine Welt des strömenden Klangs und unbeirrbar zu Ende.

Die Kontrabässe – Jim Thomas (24/Dt.), Simone Kreuzpointner (23/Dt.) und Hui Cai (28/China) – spielten den Vanhal  schwungvoll-lässig. Großartig unerschrocken, mit dem Bemühen um Transparenz und phänomenal spieltechnischer Leistung. Der erste Satz besitzt eine Wahnsinnskadenz, der dritte gibt dem Bass die Möglichkeit, eine Bratsche zu sein. Das  waren Sätze zum Luft anhalten und vor allem eins und drei nahe an der Virtuosität.

Frederik von Wrochem (19/Dt.), Simon Luethy (23/Dt.) und Simao Ferreira (14/Portugal) teilten sich das Mozartsche G-Dur-Konzert. Keinem der drei fehlte es an Entschiedenheit, Energie und Souveränität gegenüber der Noten. Das Adagio zum Anbeten. Der sehr junge Simao spielte mit dem Bonus des Kindes, den er jedoch nicht nötig hatte!

Noch ein Adagio – das geht immer – stellte Muxiang Zhang (23/China) vor. Er spielte sein A-Dur ohne zu schleppen und setzte auf die nichtsemantische emotionale Ausdrucksmöglichkeit der Musik.

An dieser Stelle muss etwas zum Wratislavia Kammerorchester aus Wrocław gesagt werden. Die polnischen Gäste sind auch schon zehn Jahre dabei, erst seit kürzerer Zeit ist die Geigerin Roksana Kwaśnikowska die Leiterin. Es ist erstaunlich, in welcher kurzen Probenzeit Solisten und Klangkörper immer zueinander finden. Das Orchester erweist sich als anschmiegsam und an den richtigen Stellen prononciert. Mit diesen Musikern*innen haben die jungen Solisten*innen einen verlässlichen Partner, der nicht insistiert (es gibt ja keinen Dirigenten) und doch verlässlich schönes Zusammenspiel erleben lässt.

Nach zwei Stunden Konzert kam dann endlich Beethoven! Hyewon Kim (26/Südkorea) und Helen Yu (19/Kanada) teilten sich in die drei Sätze, wobei der zweite ja eher nur eine kurze Überleitung ist, ein sphärischer, irrlichternder Zwischenruf, mit dem keiner so richtig etwas anzufangen weiß.

Die zwei Spielerinnen erwiesen sich als Meisterinnen des Perlenden und des Piano. Bei diesem Beethoven hatte auch das Orchester noch einmal eine Sternstunde erwischt, auch wenn das Volumen schon zahlenmäßig für das wilde Rondo nicht ausreichen kann!

Ich kenne zahlreiche Aufnahmen der Beethoven-Klavierkonzerte mit sehr prominenten Interpreten – diese Aufführung im Kloster hatte sich in keiner Weise zu verstecken. Es war eine spannungsvolle Reihung intensiver Momente, technisch souverän, eine Darbietung, aus der Funken schlugen.

Das erste Abschlusskonzert der Sommerakademie war lang. Vielleicht zu lang. Aber nie fühlte man sich als Zuhörer erlebnismäßig auf Null gesetzt, weil alle leidenschaftlich musizierten. Amerikanische Kardiologen haben herausgefunden, dass Lieblingsmusik die Durchlassfähigkeit der Gefäße um 26 Prozent erweitert. So gesehen hat das Publikum in der Klosterkirche diesen Abend sehr gesund verbracht.

Barbara Kaiser – 12. August 2023

Ein Sommerabend im Kloster Medingen
Blumen für die Gastgeberin, Äbtissin Dr. Kristin Püttmann
Till Hoffmann eröffnet den Abend mit dem ersten Satz aus Mozarts Klavierkonzert c-moll

Kontrabaßkonzert D-Dur von Vanhal: Jim Thomas als Solist des 1. Satzes
Hui Cai, Jim Thomas und Simone Kreuzpointner bekommen verdienten Schlußapplaus
Simao Ferreira spielt den 3. Satz aus Mozarts Violinkonzert G-Dur
Mozart auch nach der Pause – Muxiang Zhang spielt den 2. Satz aus dem Violinkonzert A-Dur
Beethovens 4. Klavierkonzert zum Schluß – Hyewon Kim ist Solistin des 1. Satzes
… und Helen Yu spielte die Sätze 2 und 3.

Mit Ernsthaftigkeit und Konzentration

Zu Gast bei Proben der Sommerakademie

Zuschauer wissen ja nicht, wie es hinter den Kulissen zugeht. Sie haben keine Ahnung, welche Dramen sich abspielen, wie viel Geduld und Unnachgiebigkeit die Dozenten*innen praktizieren (müssen), um ihren Schüler*innen die Fertigkeiten und das Verständnis von Musik zu vermitteln, das uns später im Konzert so entzückt. Und wie viel Qual der x-te geprobte Lauf, ob auf den 88 Tasten des Klaviers oder den vier Seiten des Kontrabasses, bedeuten kann, wie viel Verzweiflung auch, wie viel Zweifel vielleicht, wenn man die eigenen Fähigkeiten sogar in Frage stellt. Unterricht ist immer ein Balanceakt. Zwischen angemessenem pädagogischem Insistieren bei gleichzeitiger Ermutigung und der Ermöglichung von erfahrenem Erfolg. Wie schnell ist die sprichwörtliche Flinte doch ins Korn geworfen.

Ich war zu Gast in der Kontrabassklasse um Professor Nabil Shehata, wo Ningwei Guo (25/China) den letzten Satz der „Suite im Alten Stil“ von Hans Fryba  (1899 bis 1986) übte.

Meine Erinnerung an einen Mann mit Kontrabass reichen in die achte Klasse zurück. In der Instrumentalgruppe des Schulensembles strich Uli dieses Instrument. Uli war ein hübscher Kerl, aber recht klein, sodass er auch in der achten Klasse kaum am langen Basshals an die Stimmwirbel kam. Manchmal stellte er sich ein kleines Podest hin, zu eigenen körperlichen Erhöhung. Dann strich und zupfte er diesen großen Brummbär mit unnachahmlicher Lässigkeit. Auf jeden Fall sah der kleine Uli mit dem riesigen Bass sehr cool aus. Aber auch ein bisschen hilflos manchmal. – Wie souverän dagegen die beiden jungen Frauen das Instrument handhabten in der Aufführung des „Forellenquintetts“, hat mich fürbass erstaunt. Als ich Professor Shehatas Unterricht besuchte, waren die leider nicht da. Alles nur Männer.

Es ging mit großer Ernsthaftigkeit zur Sache. Das Stück schien sehr schwierig. Ganz schön schnell, die Finger tanzten über das ganze Griffbrett. Es ist unglaublich, was allein diese vier Saiten an Musik hervorbringen… Nabil Shehata ist, so scheint es, ein strenger Lehrer. „Ja, halbwegs“, nennt er den vorgespielten Abschnitt. Und als die Wiederholung offenbar besser klappt, fordert er mehr Geschwindigkeit. Und: „Spiel mal alles in Forte! Und nicht so hart, schön weich. Und die Synkopen ein bisschen länger!“ Der Professor spielt es vor und es klingt erstmal ganz anders. Ob der Schüler auch versteht, was er anders machen muss? Er versteht es, denn die gefühlt zwanzigste Wiederholung zeitigt das gewünschte Klangbild.

Nabil Shehata ist unerbittlich, aber sehr geduldig und freundlich. Ich selber könnte ihm nicht böse sein. Und auch Ningwei Guo verdreht die Augen nicht, sondern sieht aus, als wolle er das Wissen aufsaugen. Die Fähigkeiten erwirbt man eben nur durch die Übung.

„Mach nichts aus dem Handgelenk“, fordert Shehata, „mach`s mit dem Arm! Und jetzt noch Tempo!“ Ja, aus dem Handgelenk schüttelt sich kein Erfolg. Aber am Ende sind`s wohl beide vorerst zufrieden. Der Lehrer und der Student.

Nebenan probt derweil das Kammerorchester „Wratislavia“ mit Simon Luethy den zweiten Satz des  G-Dur-Violinkonzerts von Mozart. Eigentlich hatte sich der 23-Jährige aus München auf das D-Dur-Konzert vorbereitet, aber das steht in diesem Jahr nicht auf dem Programm. Bei der Probe ist Konzertmeisterin Roksana Kwasnikowska nicht so streng wie Nabil Shehata nebenan. Sie fragt, ob es für den Solisten okay sei, was die Streicher als Begleitung anboten. Im Prinzip ja, aber ein paar Vorstellungen hat Luethy doch noch. Vor allem an den Lautstärken wird gearbeitet – und schon macht sich eine ganz andere Intensität der Interpretation auf den Weg. Klang es beim ersten Mal ein wenig beliebig, fast langweilig, kommt jetzt Spannung ins Spiel. Und dafür, dass Simon Luethy die Partitur erst seit fünf Tagen studierte, könnte man, wenn ein Musiker das überhaupt darf, zufrieden sein.

Zwei Abschlusskonzerte stehen außer den täglichen Mittagskonzerten bis Sonntag noch auf dem Programm der Sommerakademie. Dort müssen alle Solisten so spielen, dass man die harte Arbeit hinter der Leichtigkeit des Vortrags nicht bemerkt. Es sollte den Zuhörer berühren und verführen, und nichts darf nach Anstrengung aussehen und schon gar nicht so klingen. Aber das ist doch das Schwere und Schöne am Musikerberuf.

Barbara Kaiser – 11. August 2023

Nabil Shehata hört zu
… und gibt Ningwei Guo Unterricht
Simon Luethy bei der Probe mit dem Kammerorchester „Wratislavia“
Konzentriertes Mozart-Spiel

Mit Witz und Eleganz

Drittes Akademiekonzert mit neuen Noten und Altbewährtem

Das Konzert endete mit Bravo-Rufen, die unbedingt zu reportieren sind. Dieses Schubert-Quintett ist aber auch unwiderstehliche Musik. Und wenn die dann noch so romantisch verschwungen und emotional geladen vorgetragen wird, wenn die Eleganz mit einem verführerischen Charme einhergeht, dann kann man nur begeistert sein. Das dritte Akademiekonzert der Sommerakademie hatte nach 2015 und 2021 wiederholt Franz Schuberts „Forellenquintett“ ins Programm genommen, was wahrscheinlich den  Kontrabässen zu verdanken ist, denn so viele Partituren haben die nicht.

Und so teilten sich Anna Preiß (23/Dt.), Ningwei Gio (25/China), Mara Reiter (19/Dt.) und Jim Thomas (24/Dt.) in die fünf Sätze und machten allesamt eine sehr gute Figur an diesem großen Instrument. Die Geige strich im ersten  Satz die ein wenig prominente Yeojin Lee (26/Südkorea), übergab diesen Part aber für die Sätze zwei bis fünf an Sara Ferreira (25/Portugal), die schon ein Mammutprogramm in dieser Sommerakademie leistete, aber stets mit einem voluminösen Ton und technischer Exzellenz aufwartete. Die Dozenten Carolin Frick (Viola), Jakob Nierenz (Violoncello) und Hinrich Alpers (Klavier), alle auch mit einem Riesenpensum, geleiteten die Studenten*innen durch die Partitur.

Auf das Lied mit einem Text von Christian Friedrich Daniel Schubart entstanden die fünf Sätze mit einer lautmalerischen Klavierbegleitung, die höchste Anforderungen an den Pianisten stellt. Die ungewöhnliche Besetzung fußt auf der von Nepomuk Hummel, die ein Mäzen Franz Schuberts und oberösterreichischer Bergwerksdirektor so bestellt hatte. Ganz offenbar auch mit der Bedingung, dass es einen Variationen-Satz gibt, der das bekannte Lied „In einem Bächlein helle“ verarbeitet. Woran Schubert sich in Satz vier hielt.

Es ist eigentlich schwer vorstellbar, dass die Partitur nur als gehobene Unterhaltungsmusik, für die sie damals genommen wurde, stehen soll. Man konnte also dazu reden und schmatzen – die Musiker waren zu bedauern. Im Langhaus Oldenstadt redete keiner, von anderem zu schweigen. Die A-Dur-Tonart verbreitete einen unwiderstehlichen Silberglanz, malte den dahin schießenden Fisch und den still gleitenden Fluss. Vermutlich spiegelt dieses Stück Musik auch die für den 22-jährigen Komponisten glückliche Sorglosigkeit der Sommerwochen 1819. Nebenbei: Niemand ahnte, dass im selben Sommer die Beschlüsse der Heiligen Allianz in Karlsbad die Restauration und damit die Unterdrückung der freiheitlich gesinnten Intelligenz beschloss, von denen der Komponist bald selbst betroffen werden sollte.

Man darf ja am Ende hoffen, dass die Forelle davonkommt, die Musik jedenfalls lässt sich so deuten, trotz der dramatischen Zwischenrufe. Das Quintett lieferte einen wunderbaren Sound zur Geschichte. Hier wurde nichts zelebriert oder nur dechiffriert, sondern mit überzeugender Hingabe musiziert.

Begonnen hatten die zwei Konzertstunden mit den Professoren Bernd Goetzke und Hinrich Alpers, einst Lehrer und Schüler, und dem Vortrag von Claude Debussys „Six Épigraphes Antiques“ (Sechs antike Inschriften). Dieses Spiel war pure Musik, da musste man als Zuhörer nicht „Sonatenhauptsatz“, „Adagio“ oder „Forte“ denken. Man musste sich diesen Noten nur ausliefern und der Fantasie freien Lauf lassen, was der wohl zu den Titeln der sechs Stücke einfällt. Am schönsten ist ja das „Um dem Morgenregen zu danken“. Mit Wasser konnte Debussy wahrscheinlich besonders beeindruckend umgehen. Und weil wir hören, was wir erwarten, schickten uns die beiden Pianisten aus, den Pan zu rufen, an einem namenlosen Grab zu stehen oder zur einem Treffen mit derTänzerin mit den Zimbeln… Sehr assoziativ und eine Studie der Unangreifbarkeit.

Danach betrat Violindozent Stefan Hempel mit Sara Ferreira und Muxiang Zhang (23/China) ganz  anderes Terrain: Der Komponist Ernst Toch (1887 bis 1964) gehört zu denen, die, wahrscheinlich zu Unrecht, vergessen wurden. Das empfand er selber auch so. Der Österreicher brach sein Medizinstudium ab, nachdem er einen Kompositionswettbewerb um den Mozartpreis der Stadt Frankfurt gewonnen hatte. Toch war absoluter Autodidakt. Im Jahr 1933 verließ er Deutschland aus, mit Blick auf diese Geschichtszahl, naheliegenden Gründen. So richtig Fuß fassen konnte er aber in Amerika nicht.

Hempel, Ferreira und Zhang spielten aus der Serenade op. 20 für drei Violinen von Ernst Toch „Allegro non troppo“ und „Vivo“ technisch sehr souverän. Der Instrumentenklang mischte sich, ohne dabei an Deutlichkeit einzubüßen. In wirklich wunderbarer Übereinkunft und Übereinstimmung erklang ein polyphones Stück Musik, das aufregend war. Manchmal lieblich, manchmal unterbrochen durch Dramatik. Ein großer Hörgewinn.

Ein weiteres Klaviersolo brachte Deawon Kim (28/Südkorea) aufs Podium. Er interpretierte die Sonate Nr. 5 op. 53 von Alexander Skrjabin. Der russische Komponist war ja Debussy-Zeitgenosse. Er orientierte sich zunächst an Chopin und Liszt, lernte später die Musik Richard Wagners kennen und entwickelte sie für sich weiter, kam zu einer Vorform der Zwölftonmusik. Die Sonate war bei ihm ab der Nr. 5 nur noch einsätzig.

Deawon Kim steigerte die Noten zu einem grandiosen Trubel. Er spielte diese schwere Partitur leichtfüßig und doch ernsthaft, voller Drama und verspielt gleichermaßen. Die Noten waren unter seinen Händen ein Panorama, das in seinen Klangdimensionen und Kontrasten faszinierte.

Das dritte Akademiekonzert war das letzte. Nun geht es schon auf die Zielgerade der 14. Internationalen Sommerakademie; noch zwei Abschlusskonzerte stehen auf dem Programm. Die Mitglieder des altbekannten Orchesters aus Wrocław sind schon angereist für den Showdown.

Barbara Kaiser -10. August 2023

Bernd Goetzke und Hinrich Alpers spielten vierhändig Debussys „Six Épigraphes Antiques“
Stefan Hempel, Sara Ferreira und Muxiang Zhang mit zwei Sätzen aus Ernst Tochs selten gespielter Serenade op. 20 für drei Violinen
Deawon Kim spielt Skrjabins Fünfte Klaviersonate
Vier große Instrumente warten auf ihren Einsatz für Schubert
Quintett mit neun Beteiligten – Schlußapplaus nach Schuberts „Forelle“

Mit Fröhlichkeit und Charisma

Zweiten Akademiekonzert mit Noten von Clara Schumann, Franz Schubert und Johannes Brahms

Wo sollte man anfangen mit der Preisung eines Konzertabends, der am Ende bejubelt wurde? Sollte man zuerst die Dozenten loben – schließlich waren sie es, die ihre Schützlinge auf solch ein musikalisches Niveau hoben. Oder muss man den Studenten*innen huldigen, die den Mut, die Anstrengung und die Fähigkeit aufbrachten, diese Partituren aufzuführen. Vielleicht hangelt man sich am Programmzettel entlang und versucht, ein musikalisches Ereignis zu reportieren, obwohl man Musik nicht beschreiben kann. Ein kluger Mann hatte einmal gesagt, wenn man über Musik nachdenke – also auch nach-schreibe – ist die akademischer Quark.

Das zweite Akademiekonzert der Sommerakademie war alles andere als akademischer Quark und begann mit Clara Schumann und deren Klaviertrio g-moll, „…wenngleich es mit Spannkraft und Aussage mit den Trios ihres Mannes nicht zu vergleichen ist.“ Schreibt der Kammermusikführer. Das kann nur männliche Arroganz die Feder geführt haben. Und warum Clara ihr Licht in der Beurteilung ihres Werkes später selber so unter den Scheffel stellte, weiß auch keiner: „Aber natürlich bleibt es immer Frauenzimmerarbeit, bei denen es immer an der Kraft und hie und da an der Erfindung fehlt“, schrieb sie. Da hat weibliches Selbstbewusstsein in 150 Jahren aber doch einen ganz schönen Schub bekommen. Was nötig war und gut ist!

Für das Klaviertrio strichen Yurichiro Haruno (19/Japan), Friederike Peters (18/Dt.) und Sara Ferreira (24/Portugal) die Violine. Lara Sauermann (28/Frankreich) saß am Flügel und Dozent Mark Schumann am Violoncello. Die Partitur ist eine gleichberechtigte Angelegenheit der Instrumente, es ist ein Werk der klaren Streicherkantilenen, die zwischen zunächst sicherheitsbedürftig zaghaft, später in schöner Phrasierung (Scherzo) und einem Strich voller Sehnsucht und großer Meisterschaft im Publikum ankam. Was für eine Intensität! Die Pianistin beherrschte die parlierende Rhetorik der Spieler, und am Ende hatten alle den langen Atem und die tiefe Einfühlung, die es brauchte.

Danach mochte man sich die Augen reiben oder die Ohren putzen: Die Dozenten Hinrich Alpers und Erik Schumann interpretierten Franz Schuberts Rondo h-moll für Violine und Klavier (D895). Das Stück trägt den Beinamen „Rondo brillant“ – das Publikum dürfte begriffen haben, warum. Es war die Entdeckung des Abends, glaubte man doch, einen Liszt oder Sarasate zu hören. Was für ein laut-fröhlicher Schubert, weit entfernt von finsterer Lindenbaum-Düsternis. Die zwei Instrumentalisten wagten die Dramatik, brachten Farbe bis ins Grelle zum Leuchten, wühlten die romantische Glätte auf.  Es war eine hochtourige Sache und das Publikum war völlig zu Recht begeistert.

Nach der Pause das Klavierquartett g-moll op. 25 von Johannes Brahms. Die vier Sätze der Violine teilten sich Mok Ryeon Cho (23/Südkorea), Palina Pratasouskaja (22/Belarus), Sofia Vinkel (21/Estland) und Yejon Kim (17/Südkorea). Unterstützt wurden sie von den Dozenten Carolin Frick (Viola), Mark Schumann (Violoncello) und Hinrich Alpers (Klavier).

Trotz hoher Grundaktivität war die Kommunikation der Quartettmitglieder zu jeder Zeit erkennbar, die Darbietung lebte von einer Balance zwischen opulentem Klang und sorgsam ausgehörten Detail. Und das Allerbeste: Dem Musizieren war leere Effekthascherei und lautstarke Selbstbezüglichkeit fremd. Was für ein charismatischer Ausflug in die Musikliteratur. Die in anderen Aufführungen manchmal zu beklagende Klavierdominanz (schließlich ist es ein Klavierquartett) fand hier nicht statt, die Rede und Gegenrede zwischen dunklem  Kopfsatz und kantablem Gegenthema wurde schön demonstriert. Naja, und der vierte Satz, das Presto des Rondo alla Zingarese war ein Taumel der Ausdrucksmusik. Man vergaß das Luftschöpfen. Das Klavier durfte sich hier einmal als Erster unter Gleichen profilieren. Und doch war dieses Renommierstück keine besinnungslose Zurschaustellung der eigenen Einzelfähigkeit. Bravo!

Barbara Kaiser – 09. August 2023

Cellist Mark Schumann erhält sein Abschiedsgeschenk

Lara Sauermann und Mark Schumann in Clara Schumanns Klaviertrio g-moll

Yuichiro Haruno spielt den ersten Satz …

… und Friederike Peters den zweiten Satz des Klaviertrios von Clara Schumann

Erik Schumann und Hinrich Alpers spielten Schuberts Rondo h-moll für VIoline und Klavier

Schlußapplaus für Brahms: (v.l.n.r.) Mok Ryeon Cho, Polina Pratasouskaya, Sofia Vinkel, Yeojin Kim (Violinen), Hinrich Alpers (Klavier), Carolin Frick (Viola)

Mit Effekt und Ambition

Reigen der Konzerte der Internationalen Sommerakademie eröffnet

Musikalisch ging es dramatisch zu im ersten Akademiekonzert der 14. Internationalen Sommerakademie, atmosphärisch jedoch wie immer entspannt, entspannend, fröhlich. Das Programm war an Effekten reich und wohl kalkuliert. Ein Gewebe aus Anspruch und Ambition. Die Akademiekonzerte, drei an der Zahl, vereinen Studierende und Dozenten, das reine Dozentenkonzert ist abgeschafft. Und eigentlich war es so ja schon immer; diese Konstellationen spiegeln das Miteinander, ohne Wettbewerbsdruck, das die Sommerakademie von Beginn an ausgezeichnet hat.

Der künstlerische Leiter, Professor Hinrich Alpers, konnte sich über ein volles Haus freuen und vergaß nicht, sich bei allen zu bedanken, bei denen die 55 Akademie-Teilnehmer zu Gast sein beziehungsweise Örtlichkeiten nutzen dürfen: Im Langhaus Oldenstadt, der Musikschule und der Kirchengemeinde des Ortes.

Dann kam die Musik zu Wort, die zwischen Beethoven, Grieg und Hummel klassische Entschlossenheit und romantischen Bombast im Gepäck hatte. Es war ein überwältigender Anfang, musiziert in feinem, flüssigem Ton, intelligent wie ideenreich.

Den Auftakt durften die Student*innen Ulrike Schlegel (32/Dt.), Katja Wieck (27/Norwegen), Simon Luethy (23/Dt.) – alle Violine – Sebastian Rauch (17/Dt.) und Helen Yu (19/Kanada) – Klavier – machen. Das Violoncello spielte Jakob Nierenz (Dozent). Angesichts der Tatsache, dass alle nur zwei Tage Zeit hatten, Ludwig van Beethovens Klaviertrio c-moll op. 1,3 gemeinsam zu studieren, brachten sie eine unglaubliche Homogenität aufs Podium. Der junge Sebastian Rauch musizierte mit einer faszinierenden Reife, die ihn ablösende Helen Yu überzeugte in Beethovens dramatischster Tonart (mit programmatischen Hintergründen) restlos. Die Streicher besaßen allesamt einen Strich, der nirgendwo quietschte oder sich überschlug. Herauskam ein Stück Musik voller Energie, die sprühte, mit Emphase, die den Zuhörer ergriff und auch Zartheit kannte.

Eine reine Dozentenangelegenheit war Edvard Griegs Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 13. Stefan Hempel und Hinrich Alpers sorgten hier für den richtigen Drive des Hochgefühls – der Komponist schrieb das Stück als frisch Vermählter. Das g-moll des Beginns bleibt Episode, bestimmend sind die folkloristischen Töne, tänzerisch akzentuierte Themen. Der Dreivierteltakt des dritten Satzes ist musikantisch ausgelassen.

Kritik an den Dozenten verböte sich bei der Sommerakademie keineswegs – jeglicher Kommentar in diese Richtung wäre Beckmesserei. Wie diese beiden Solisten zusammen Musik interpretieren, konnte man schon in den Vorjahren beobachten und erfahren. Da ist nirgendwo fatale Routine, da ist immer ein aufgewecktes Miteinander; und ihre handwerklichen wie künstlerischen Fähigkeiten sind über jeden Zweifel erhaben. Hier spielen Prägnanz und nachdrückliche Kraft eine den Noten immer dienende Rolle.

Die dritte Partitur des Abends war Johann Nepomuk Hummels Klavierquintett mit Kontrabass es-moll op. 87. Muxiang Zhang (23/China) und Sara Ferreira (25/Portugal) strichen die Violinen, Simone Kreuzpointner (23/Dt.) stand am Kontrabass. Als Dozenten gesellten sich Carolin Frick (Viola), Mark Schumann (Violoncello) und Hinrich Alpers (Klavier) dazu.

Hummel war Mozartschüler und ein großer Beeinflusser von Schubert. Sein Quintett hat dieselbe Besetzung, die dessen „Forellenquintett“ hat. Die Partitur ist eine zauberhafte Melange aus Mozart und Beethoven, indem der Komponist sich vor deren Klavierkonzerten (d-moll und c-moll) verbeugt. Sie besitzt aber genauso sehr witzige agitato-Passagen, die große Freude machen. Die Musiker*innen gingen sehr fröhlich ans Werk, wieder mit dieser so typischen Spielfreude, die Dialog und Wettgesang sind. Nie jedoch gegeneinander arbeitend, sondern aufeinander hörend. Ein Largo zum Verlieben und ein brillantes Finale – zwei Konzertstunden waren um. Aber es geht ja weiter…

Barbara Kaiser – 07. August 2023

Ulrike Schlegel, Sebastian Rauch und Jakob Nierenz beginnen Beethovens Klaviertrio c-moll
Simon Luethy und Helen Yu mit Jakob Nierenz
Zum Abschluß viel Applaus für alle Beteiligten im Beethoven, auch Katja Wieck (1. v.r.)
Stefan Hempel und Hinrich Alpers spielen Griegs Violinsonate Nr. 2 in G-Dur
Simone Kreuzpointner übernahm den Kontrabaß-Part im Klavierquintett von Johann Nepomuk Hummel (Mark Schumann am Cello)
Carolin Frick und Hinrich Alpers spielen ebenfalls bei Hummel mit
Auch für die beiden Violinen Sara Ferreira (1. v.l.) und Muxiang Zhang (2. v.l.) gab es viel Schlußapplaus

„Sich was wünschen, reicht ja nicht“

14. Jahrgang der „International Academy of Music/Summer“ mit Teilnehmerrekord eröffnet

Im Historischen Langhaus ist noch der Klavierstimmer am Werk, auch wenn der junge Mann sein Tun mit „Handwerker“ abtuen will. Im Gebäude der Musikschule wird schon, eine Dreiviertelstunde vor der offiziellen Eröffnung, geübt. Die Geigen klingen und seufzen und rasen, da werden Läufe geübt und schwierige Doppelgriffe. Ich stehe im Flur und traue mich nicht, eine der sechs Türklinken zu drücken und zu stören, so leidenschaftlich, versunken und um Perfektion bemüht ist man dahinter bei der Sache. Trotzdem öffne ich am Ende eine Tür und stehe vor Sebastian Rauch. Er spielt auf einem der Flügel gerade Bach. Er ist gestern erst 17 Jahre alt geworden und kommt aus Stuttgart. Seit zehn Jahren sitzt er am Klavier, wird in zwei Jahren sein Abitur ablegen und danach „auf jeden Fall“ Musik studieren. Er ist unter den 55 Teilnehmern einer der jüngsten. In einem der fünf Sommerakademie-Konzerte wird er im Beethoven-Klaviertrio c-moll zu erleben sein.

Vor diesem 14. Jahrgang habe ich den Erfinder und Hauptorganisator Professor Hinrich Alpers gefragt, mit welchen Gedanken und Gefühlen er in diese zehn Tage geht. Seine Antwort war selbstbewusst und doch demütig und dankbar:

„Die Entwicklung, die die Sommerakademie gemacht hat, konnte ja nun wirklich niemand vorhersehen!“, sagt er. „Ich fühlte mich damals (im Jahr 2010) ein bisschen kühn“, bekennt er zudem; denn immerhin hatte der damals 28-jährige Pianist „Erste Sommerakademie“  auf die Konzertprogrammzettel geschrieben. Eine Eins impliziert zwangsläufig, dass es weitere Nummern geben sollte. Aber: „Sich was wünschen, reicht  ja nicht.“ Zudem sei es nicht dasselbe, „eine Sache in einem einmaligen Kraftakt hochzuziehen“ oder ihr eben Konstanz und Entwicklung zu verleihen.

Das ist inzwischen gelungen. Konstanz: Heute wurde der 14. Jahrgang mit ganz viel Vorfreude eröffnet. Und Entwicklung: Von der reinen Klavierklasse mauserte sich die Veranstaltung zu einem Festival der Kammermusik. Mit, das sei hier nicht unerwähnt, atemberaubenden Aufführungen Neuer Musik und Kuriosem auch.

55 Teilnehmer im Jahr 2023 – das ist ein Rekord. Im Jahr 2010 waren es 20. Wobei die Streicher inzwischen in der Überzahl sind: Neun Kontrabässe, 28 Violinen, 18 Pianisten.

„Es kamen irgendwie viele tolle Momente und Umstände zusammen“, erinnert sich Alpers. Und: „Dass mir so viele Leute die Treue halten, ist natürlich ein riesengroßer Bonus und großes Glück für mich.“ Er sei zwar selber Pianist, „aber mich hat doch das Gemeinsame, mit anderen Instrumenten, schon als Junge begeistert. Bloß nicht zu viel Zeit nur mit sich selbst verbringen, sage ich meinen Studenten heute auch wieder.“ Deshalb stört die neue, andere Zusammensetzung niemanden. Und für das Publikum wird es ein Gewinn sein, Mehrwert generieren.

„Die Hansestadt Uelzen und ich persönlich sind stolz auf euch und wir freuen uns“, versicherte Bürgermeister Jürgen Markwardt in seinem Grußwort und wünschte „a lot of fun“. Es wird auch eine Menge Arbeit dabei sein und nicht nur Spaß. Aber die Freude am Musizieren wird sich in allen Konzerten auf das Publikum übertragen, das in all den Jahren stets gebannt saß.

Deshalb ging auch zu dieser Eröffnung ein Dank an alle Helfer und Sponsoren, ohne die dieser Musikmarathon nicht möglich wäre. Und weil Hinrich Alpers „very, very glad“ ist, überträgt sich dieser Enthusiasmus schon immer auf alle anderen Professoren, Korrepetitoren und Helfer. Es geht los. Zehn Tage voller Musik!

Barbara Kaiser – 04. Juli 2023

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